****** Ende der 60er steckte die Soul-Music in einer kleinen Krise. Dem unglaublichen kreativen Schub Anfangs des Jahrzehnts durch Motown folgte Routine, Stillstand. Es gab zwar Ende des Jahrzehnts weiterhin hervorragende und teilweise brillante Platten aus dem Gebiet der Black-Music, allerdings schien es so, als würde dieses Genre nichts mehr neues hervorbringen. Wie aus heiterem Himmel überraschten dann ab 1968 The Temptation mit einem völlig neuen, symphonisch anmutenden Stil. Statt fröhlicher Soulschlager oder mitreißender Balladen klangen sie musikalisch nun komplexer. Ihre Komponisten und Produzenten Norman Whitfield und Barrett Strong hatten die Zeichen der Zeit erkannt und mischten nun Elemente des Psychedelicrock in die Musik hinein. Temptations Hits jener Zeit wie „Cloud Nine“, „Run Away Child, Running Wild“, „Psychedelic Shack“ oder „Ball Of Confusion“ machten die Gruppe nun auch für ein größeres, eher auf Rock und weniger auf Soul fixiertes Publikum interessant. Kreative schwarze Musiker wie Isaac Hayes und Barry White arbeiteten diesen neuen Stil aus und gaben dem Soul eine völlig neue Richtung. Zur gleichen Zeit starteten die beiden bis dato eher mäßig erfolgreichen Komponisten und Produzenten Kenny Gamble und Leon Huff ihr Label Philadelphia International Records. Unter dem Namen Cliff Noble gelang ihnen 1968 mit „The Horse“ ein kleiner Achtungserfolg. Ähnlich wie Barry White produzierten sie nicht nur Musik für ein farbiges Publikum sondern boten auch einer weißen Klientel eine echte Alternative in Sachen Dance-Music. Ebenso wie bei Barry White ging auch ihr Konzept voll auf. Während die Musik von Motown, Stax oder Hi-Records überwiegend ein farbiges Publikum ansprach und dementsprechend auch nur in den USA erfolgreich war, landeten Barry White als auch Gamble/Huff mit ihren Künstlern weltweite Erfolge. Und was aus den P.I.R. Studios kam, gehörte mit zum Besten, was der 70s Soul zu bieten hatte. Kein Wunder, daß P.I.R. zwischen 1972 und 1975 eines der erfolgreichsten unabhängigen Plattenlabel war. Den Anfang dieser Erfolgsgeschichte machten 1972 Harold Melvin & The Blue Notes mit „I Miss You“ und The O’Jays mit „Back Stabbers“. Allein diese beiden Gruppen machen schon die musikalische Bandbreite von P.I.R. deutlich: Während Harold Melvin & The Blue Notes (mit dem göttlichen Sänger Teddy Pendergrass) eher Balladen im klassischen R&B-Stil vortrugen, boten The O’Jays ungemein flockige, mitreißende Dance-Music. Aber auch andere Band wie The Intruders (eine der ersten Gruppen, die mit Gamble/Huff Kompositionen erfolgreich waren), The Three Degrees, der fantastische Billy Paul oder die P.I.R. Hausband MFSB (Ihr Nummer 1 Hits „The Sound Of Philadelphia“ ist Programm) sorgten in den Diskotheken der Welt für volle Tanzflächen und mischten nebenbei die internationalen Hitparaden auf. Ihre Musik ist über weite Strecken so mitreißend, daß sie auch über 30 Jahre nach ihrem Entstehen nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. All die großen P.I.R. Hits der Jahre 1972-1974 sind auf dem Sampler „Phillysound-The Sound Of Philadelphia“ versammelt. Hier kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf, denn die insgesamt 20 Titel bieten Hörvergnügen pur. Es wäre an der Zeit, diesen fantastischen Sampler endlich auf CD zu veröffentlichen.
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