***** Ich kenne kaum ein zweites Albumcover, das den Titel so optimal widerspiegelt wie das Cover von Uriah Heeps dritten Album „Look At Yourself“. Unter den beiden Augen in der oberen linken und rechten Ecke befindet sich ein Spiegel, in dem man sich jederzeit selber anschauen kann – eben „Look At Yourself“. Das Album rollt mit dem Titelsong gleich mächtig ab, ein Hochgeschwindigkeitsrocker, getragen von Ken Hensley wilden Orgelspiel und den Gitarrensolos von Mick Box. Im langen Fade-Out zaubert die Rhythmussection der afrikanischen Band von Osibisa ein Percussion-Stakkatto, das sich –aber hallo!- gewaschen hat. Wer Spaß an aggressiven, wilden Hardrock hat, der wird sich nach „Look At Yourself“ alle zehn Finger nach lecken. Ein weiterer Rocker, wenn auch nicht so wild, ist „I Wanna Be Free“. Wer einmal diverse Stücke der DDR-Band Puhdys gehört hat, der weiß, woher sie ihre Ideen haben. Ein echter Höhepunkt ist das fast 11 Minuten lange „July Morning“. Das bombastische Orgelspiel von Ken Hensley, Mick Box kreischende Gitarre und David Byrons Gesang in den ruhigen Passagen machen „July Morning“ zu einem echten Ereignis. Damit nicht genug, kein geringerer als Manfred Mann spielt in diesem Ausnahmestück den Synthesizer. Nicht umsonst gehörte „July Morning“ jahrelang zum festen Bestandteil eines jeden Uriah Heep Konzerts. „Tears In My Eyes“ ist ein weiterer mächtig abgehender Rocker, bei dem sich die Heeps nicht gescheut haben, auch ein paar Spritzer Pop einzubauen. Das über 8 Minuten lange „Shadows Of Grief“ ist ein weiteres Uriah Heep typisches Stück, getragen von einer dominaten Orgel. „What Should Be Done“ ist eine Ballade mit leichtem Blues-Touch, weder besonders aufregend noch schlecht. Den Abschluß bildet der Rocker „Love Machine“, in dem vor allem Gitarrist Mick Box seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Alles in allen ist „Look At Yourself“ ein gelungenes Album, wobei allerdings die erste LP Seite die weitaus bessere ist. Uriah Heep zeigen auf, daß Hard- und Heavyrock keine monotone Angelegenheit sein muß, wenn man die Musik nur entsprechend facettenreich präsentiert. Und genau hier liegen die klaren Vorteile von „Look At Yourself“. |