***** Nach der Veröffentlichung ihrer vierten LP „Live“ im Jahre 1972 geriet UFO in eine Krise. Kurz nach dem Erscheinen von „Live“ verließ Gitarrist Mick Bolton die Gruppe und schloß sich The Pink Fairies an. Sein Nachfolger wurde Larry Wallis, der wiederum kurze Zeit später durch Bernie Marsden ersetzt wurde. Während einer Tournee standen UFO plötzlich ohne Gitarrist da. Aushilfsweise half der junge deutsche Gitarrist Michael Schenker von den Scorpions der Londoner Rockgruppe aus der Patsche. Er harmonierte mit Phil Mogg, Pete Way und Andy Parker derart perfekt, daß die drei beschlossen, ihn als festes Mitglied bei UFO aufzunehmen. Für beide Seiten war diese Entscheidung wie ein Haupttreffer im Lotto, denn UFO hatte endlich den Gitarristen, der hundertprozentig zu ihnen paßte, und für Michael Schenker war es die Chance seines Lebens, sich international einen Namen zu machen (Zwar standen UFO weit im Schatten von Hard- und Heavybands wie Deep Purple oder Black Sabbath und sie waren auch nicht übermäßig erfolgreich, aber bei den Rockfans hatte der Name UFO einen guten Namen). Im Sommer 1973 erschien in Form der Single „Give Her The Gun/Sweet Little Thing“ die erste Zusammenarbeit zwischen UFO und Michael Schenker. Zwar wurde diese Single kein Erfolg, präsentierte aber die Gruppe musikalisch wesentlich aggressiver und transparenter als in den vergangenen Jahren. Auf dem Chrysals-Label erschien 1974 das erste gemeinsame Album „Phenomenon“, das den hohen Erwartungen der Fans mehr als gerecht wird. Dominierte auf den ersten beiden Studio-LP’s ein handwerklich solider, allerdings auch streckenweise hölzern anmutender Rock, glänzen Phil Mogg, Michael Schenker, Pete Way und Andy Parker auf „„Phenomenon“ durch Vielseitigkeit und Spielfreude. Die ersten beide Stücke „Too Young To Know“ und das balladenhafte „Crystal Light“ sind eher amerikanisch geprägt. Dann folgt mit „Doctor Doctor“ der UFO-Klassiker schlechthin. Das Stück ist sehr clever aufgebaut: Nach einem eher melodiösen Anfang folgt ziemlich kraftvoller Hardrock, genau der Stoff, aus dem Rockklassiker gemacht sind. Eher in den Bereich Ballade kann man das schleppende „Space Child“ einordnen, ein fantastisches Stück amerikanischen Zuschnitts. Hier kann Michael Schenker einmal mehr unter Beweis stellen, was für ein außergewöhnlicher Gitarrist er ist. Richtig zur Sache geht es in dem sechseinhalb Minuten langen Rocker „Rock Bottom“, in dessen Mittelteil Michael Schenker ein irrwitziges Solo abzieht. „Oh My“ ist gradliniger, charttauglicher Rocker. „Time On My Hands“ ist ein eher verhaltenes Stück mit unspektakulärer, aber sehr schöner Gitarrenarbeit von Michael Schenker. An die UFO Frühzeit erinnert der „Built For Comfort“, ein lupenreiner Bluesrock aus der Feder von Willie Dixon. „Lipstick Traces“ ist ein verträumt anmutendes Instrumental aus der Feder von Michael Schenker, der sich hier ein weiteres Mal als Top-Gitarrist auszeichnen kann. Den Abschluß von „„Phenomenon“ bildet das knapp 6Minuten lange „Queen Of The Deep“, ein schleppender Rocker mit melodiösen Unterton. Neben der schon mehrfach erwähnten Klasse Michael Schenkers sollte man auch Bassist Pete Way und Schlagzeuger Andy Parker erwähnen, die eine famose Rhythmusarbeit leisten und einen satten, kraftvollen Untergrund für Michael Schenker und Sänger Phil Mogg schaffen. Alles in allen ist „Phenomenon“ zwar kein überragendes Album, ist aber für das eher laue Rockjahr 1974 außergewöhnlich gut.
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