****** Nach seinem kommerziell erfolgreichsten Album „Songs In The Key Of Life“ hörte man in den Jahren 1978/79 nicht viel von Stevie Wonder, außer, daß er sich als Komponist und Produzent für diverse Motown-Kollegen betätigte und das er an einer neuen Platte arbeitete. Hatte er mit seinem Hang zum Perfektionismus bei der Produktion von „Songs In The Key Of Life“ schon die Geduld der Motown-Geschäftsleitung arg strapaziert, so trieb er es mit „The Secret Life Of Plants“ auf die Spitze. Er verzögerte die Veröffentlichung immer wieder, feilte an den Arrangements, etc. Ursprünglich war das neue Werk als Tripplealbum geplant, heraus kam „nur“ ein Doppelalbum. „The Secret Life Of Plants“ ist der Soundtrack zu einem Film, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Peter Tompkins und Christopher Bird. Allerdings kam der Film aufgrund seiner fehlenden Kommerzialität erst gar nicht in die Kinos und war damit schon ein Flop, bevor ihn überhaupt ein Mensch gesehen hatte. Der Mißerfolg des Films zog unweigerlich auch Stevie Wonders ambitionierten und grandiosen Soundtrack in die Tiefe und bescherte ihm den ersten Flop seiner bisherigen Karriere. Musikalisch präsentiert sich der Meister auf „The Secret Life Of Plants“ so ungewöhnlich, wie man ihn weder vorher noch nachher gekannt hat. Seine Ambitionen, dem geheimen Leben der Pflanzen musikalisch auf den Grund zu gehen waren für ein Großteil des Publikums zu hochgestochen, musikalisch nur schwer verdaulich. Das machen die LP-Seiten 1 und 2 deutlich: Sie sind instrumental und streckenweise symphonisch angelegt. Hier kommt erst gar nicht auf die Idee, daß Stevie Wonder am Werk ist. Die Seiten 3 und 4 klingen dagegen schon eher nach dem Meister, am deutlichsten noch in „Send One Your Love“ und „Outside My Window“, denen als Singleauskopplungen nicht die Chartplazierungen zuteil wurden, die ihnen zustanden. Was auf das gesamte Album zutrifft, das, wie schon bereits erwähnt, der große Flop in Stevies Karriere wurde (immerhin dürften die Verkäufe wohl ausgereicht haben, um die immensen Produktionskosten zu decken). Bei den internationalen Musikkritikern stieß das Album auf einhellige Ablehnung, warfen sie dem Meister ein Monument der Selbstüberschätzung vor. Wer sich von den äußerst negativen Kritiken nicht abschrecken ließ, der bekam ein unvergleichliches Hörerlebnis geboten, daß wohl erste Bindeglied zwischen schwarzer U-Musik mit der sogenannten E-Musik. Mir hat „The Secret Life Of Plants“ schon beim ersten Anhören gefallen, merkt man doch zu jeder Sekunde, hier ist ein ambitionierter Künstler zu Gange, der nach neuen Ausdrucksformen sucht und es schafft, seine Gedanken und Gefühle optimal in Musik auszudrücken. Meines Erachtens ist „The Secret Life Of Plants“ Stevie Wonders Meisterwerk, ein Meisterwerk, das es noch zu entdecken gilt. |