****** Seine musikalische Karriere startete der am 09.03.1945 im englischen Catford-Lewisham geborene Robin Trower zusammen mit seinen Freunden Gary Brooker, B.J. Wilson und Chris Chopping in der Band The Paramounts. Obwohl diese Gruppe recht ansprechende Musik machte, einige Singles produzierte und von den Rolling Stones gefördert wurde, blieben sie ein Geheimtip. Als „Krönung“ ihrer Karriere durften sie als Begleitband für Topstars wie z.B. Sandie Shaw agieren – da gab die Band entnervt auf. Robin Trower zog sich zurück und übte intensiv das Gitarrenspiel. Währenddessen gründete Gary Brooker zusammen mit Keith Reid die Gruppe Procol Harum, die wenig später mit „A White Shade Of Pale“ Musikgeschichte schrieben. Kurz nach der Veröffentlichung von „A Whiter Shade Of Pale“ holte Gary Brooker seinen Freund Robin Trower in die Band. Allerdings konnte der inzwischen sehr versierte Bluesgitarrist keinen großen Einfluß auf die Musik von Procol Harum nehmen, lediglich auf den eher untypischen, rockorientierten P.H. Alben „Home“ und „Broken Barrcidades“ bekam er als Komponist, Gitarrist und Arrangeur etwas breiteren Spielraum. 1971 packte er seine Gitarre in den Koffer und verließ Procol Harum. Gemeinsam mit Frankie Miller, James Dewar und Cliver Bunker gründete er die Gruppe Jude, die sich aber bereits nach einer Langspielplatte wieder auflöste. Da er von Gruppen nun endgültig die Nase voll hatte, beschloß er, seine weitere Karriere nur noch unter seinem Namen laufen zulassen. 1973 erschien sein erstes Album „Twice Removed From Yesterday“, auf er sein enormes Können erstmals richtig unter Beweis stellen konnte. Perfekt verstand er es, das Gitarrenspiel von Jimi Hendrix zu imitieren und zu perfektionieren. Prompt bezeichneten ihn Kritiker als den weißen Jimi Hendrix bzw. als Jimi Hendrix Imitator. Trotz der großen Ähnlichkeiten seines Spiels zum großen Vorbild, ihn als reinen Hendrix Imitator zu bezeichnen wäre falsch und eine Herabsetzung seines außergewöhnlichen Könnens. Das stellte er 1974 mit seinem zweiten Album „Bride Of Sighs“ eindrucksvoll unter Beweis. Mit der tatkräftigen Unterstützung von James Dewar (Baß, Gesang) und Reg Isidore entstand ein hochexplosives Bluesrockalbum, sein wohl stärkstes Solowerk überhaupt. Gleich der Opener „Day Of The Eagles“ rollt mächtig ab. Das eng aufeinander abgestimmte Spiel zwischen Robin Trower, James Dewar und Reg Isidore funktioniert auf perfekte Art und Weise. James Dewars leicht rauchiger Gesang, der ein wenig an Paul Rodgers erinnert, und Robin Trowers explosives, an Jimi Hendrix erinnerndes Gitarrenspiel verleihen dem Stück einen sehr druckvollen Drive. Diese Stärke wird in dem kraftvollen Bluesrocker „Bridge Of Sighs“ auf ein Optimum ausgereizt. Im gleichen Stil ist „In This Place“, ein ungemein packender Bluesrocker, gehalten. „The Fool And Me“ ist geprägt durch Robins Gitarrenspiel a la Jimi Hendrix, gewürzt mit einigen kleinen Hammondspritzern. Wer gradlinigen, sehr direkten Rock mag, der wird mit „The Fool And Me“ bestens bedient. Das gleiche gilt auch für „Too Rolling Stoned“, das noch wesentlich packender ist. „About The Begin“ ist eine sehr schöne bluesbetonte Ballade, die vor allem durch die leicht rauchige Stimme James Dewars ungemein an Atmosphäre gewinnt. „Lady Love“ ist ein knackiger Rocker, der angenehm an die beste Zeit von Free erinnert. James Dewars Gesang und Robins entspanntes Spiel machen „Lady Love“ zu einem echten Ereignis. „Little Bit Of Sympathy“ ist ein knackiger Bluesrocker mit sehr schönen Percussioneinlagen von Reg Isidore. Hier kann Robin einmal mehr seine Gitarre heulen lassen, daß es einfach Spaß macht, zuzuhören. So wie das ganze Album ein einziges Hörvergnügen ist. Wenn man sich einmal vom Vorurteil befreit hat, Robin Trower sei nicht weiter als ein Jimi Hendrix Imitator, dann bekommt man vorzügliche, handwerklich exzellent gespielte und mit vielen Feinheiten versehene 70s Rockmusik geboten. Ich muß zugeben, daß auch ich mich von dem Vorteil des Jimi Hendrix Imitators habe beeinflussen lassen und Robin Trower viele Jahre kein Gehör geschenkt habe. Irgendwann Anfang der 80er Jahre habe ich mich durchgerungen, „Bridges Of Sighs“ zu kaufen. Dieses Album habe ich 1982 im Verbund mit drei anderen LPs zum Preis von 10 DM auf einem Grabbeltisch in einem Plattenladen gefunden. Als ich schließlich die ersten Takte dieses Albums gehört hatte, war ich doch sehr angenehm überrascht, was für tolle Musik ich da erworben hatte, die mit dem gängigen Klischee des Imitators nichts gemein hat. Einmal auf den Geschmack gekommen, habe ich mir weitere Trower Alben zulegt. Obwohl diese auch nicht schlecht sind, so erreichen die nachfolgenden Werke nicht annähernd die außergewöhnliche Qualität von „Bridge Of Sighs“. Jedem, der einmal etwas Unbekanntes aus den 70er Jahren entdecken möchte, dem kann ich diese Juwel nur wärmstens empfehlen. |