****** 1972 war der Startschuß für den Philly-Sound, jene lockere Soulmusik der beiden Komponisten und Produzenten Kenny Gamble und Leon Huff, der die Soulmusik der Jahre 1973/74 maßgeblich bestimmte. Und gleich zu Beginn ihrer Attacke auf die internationalen Hitparaden schüttelten sie ein glaubliches As aus den Ärmeln: Harold Melvin & The Blue Notes. Das Quintett war zwar eine reine Gesangsgruppe, doch im Gegensatz zu den großen Gesangsgruppen von Motown wie The Temptations oder The Four Tops standen hier nicht mehre Sänger sondern nur einer im Vordergrund. Dieser eine hieß Theodore „Teddy“ Pendergrass und war pures Dynamit. Die Musik der schwarzen Amerikaner hatte seit den 50er Jahren schon viele wunderbare Gesangtalente hervorgebracht, aber dieser Teddy Pendergrass mit seiner gefühlvollen Baßstimme war schon etwas besonderes. Wenn er sang, wurde einem schnell klar, was der Begriff Soul überhaupt bedeutet. Viel ist mir über diese wunderbare Gruppe nicht bekannt, außer, daß der Chef Harold Melvin und der eigenliche Star Teddy Pendergrass hieß. Im Sommer 1972 tauchten sie erstmals mit „I Miss You“ in den amerikanischen Singlecharts auf und im Herbst des gleichen Jahres kamen sie mit der äußerst gefühlvollen Ballade „If You Don’t Know Me By Now“ in die Top 10. Diese Nummer ist eher untypisch für Produkte aus dem Hause Gamble/Huff, stand sie doch im krassen Gegensatz zu den ansonsten eher flotten Nummer dieses agilen Labels. In den nächsten Jahren waren Harold Melvin & The Blue Notes eine der umsatzstärksten Bands von P.I.R. und landeten mit „Yesterday I Had The Blues“, The Love I Lost“, „Satisfaction Guaranteed (Or Take Your Love Back)“, „Where Are All My Friends“ , Bad Luck“, „Wake Up Everybody“ und „Tell The World How I Feel About ‘cha Baby“ einen Hit nach dem anderen. Einen schweren, nicht zu kompensierenden Schlag erlitt die Gruppe, als Teddy 1976 die Gruppe zugunsten einer Solokarriere verließ. Im selben Jahre wechselten Harold Melvin & The Blue Notes von P.I.R. zum ABC-Label und konnten im Frühjahr 1977 mit „Reaching For The World“ einen letzten, bescheidenen Hit landen (In England feierten sie zur gleichen Zeit mit der Wiederveröffentlichung von „Don’t Leave Me This Way“ -eine ihrer schönsten Nummern überhaupt- aus dem Jahre 1975 noch einmal einen Tophit). Ohne ihr Aushängeschild Teddy Pendergrass waren sie nur noch eine Sulgruppe unter vielen, die auf wenig Publikumsinteresse stieß. Auch Teddy Pendergrass‘ Karriere kam nie richtig ins Rollen, auch wenn er mit Titeln wie „I Don’t Love You Anymore“, „Close The Door“, „Can We Try“ oder „Love T.K.O.“ respektable Hits landen konnte. Der Sampler „The Best Of Harold Melvin & The Blue Notes“ beinhaltet sämtliche Hits der Jahre 1972-1976, angereichert mit einigen interessanten Albumtitel wie „Be For Real“, „Keep On Loving You“ und „To Be Free To Be Who Are You“. Die insgesamt 16 Titel sind allesamt brillante Kompositionen, die vor allem durch die magische Stimme von Teddy Pendergrass veredelt werden. Wer den Soul der 70er Jahre mag, der kommt an dieser Collection nicht vorbei. |