****** Als 1976 in England die Punkrevolution tobte und alles bisher dagewesene in Frage stellte und der Discosound zum ganz großen Schlag ausholte, taten sich in den USA englische und amerikanische Musiker zur Gruppe Foreigner zusammen und schockierten die internationalen Musikjournalisten mit Mainstream-Rock. Initiatoren von Foreigner waren die Engländer Mick Jones (ehemals Spooky Tooth), Ian McDonald (ehemals King Crimson) und der Amerikaner Ian Lloyd, der sich in den Jahren 1973/74 als Sänger von The Stories einen guten Namen gemacht hatte. Gemeinsam mit Al Greenwood (Keyboards, Synthesizer), Ed Gagliardi (Baß) und Dennis Elliott (Schlagzeug) stellten sie eine schlagkräftige Band auf die Beine. Als Foreigner an den Start gingen, war Ian Lloyd nur als Background-Sänger dabei, die Vocals übernahm Lou Gramm, ein weitesgehend unbekannter Sänger, der aber durch eine ungemein kräftige und ausdrucksstarke Stimme beeindruckte. Gleich mit ihrer ersten Single „Feels Like The First Time“, ein gradliniger aber ungemein druckvoller Rocker, gelang der Gruppe Mitte 1977 gleich ein erfolgreiches Debüt in den amerikanischen Singlecharts. Das Stück kam dort bis in die Top 10 und ebnete der Gruppe den Weg zu ihren Erfolgen. Mit diesem prächtigen Rocker beginnt auch ihr Debütalbum, schlicht und einfach „Foreigner“ betitelt. Noch eine Spur besser ist Titel Nummer 2 „Cold As Ice“, ein prächtiger Rocker mit Ohrwurmqualitäten, der als zweite Singleauskopplung im Spätsommer ebenfalls die amerikanischen Top 10 erreichte. Das balladenhafte „Starrider“ besticht durch seine eingestreute Cembaloeinlagen. Musikalisch ist das Stück irgendwo zwischen King Crimson und Pink Floyd angesiedelt. Kurzum, „Starrider“ ist das beste Stück des Albums. „Headknocker“ ist ein gradliniger Rocker ohne technischen Mätzchen. „The Damage Is Done“ ist ein verhaltener Rocker amerikanischen Zuschnitts, der für europäische Hörgewohnheiten streckenweise etwas sperrig klingt. Der treibende Rocker „Long, Long Way From Home“ erreichte als dritte Singleauskopplung Anfang 1978 noch einmal gute Top 30 Plazierung in den amerikanischen Charts. „Woman, Oh Woman“ ist eine Rockballade amerikanischen Zuschnitts, nicht sonderlich spektakulär, aber nach mehrmaligen Anhören ist das Stück durchaus interessant. Das gleiche gilt für „At The War At The World“ und die schleppende Ballade „Fool For You Anyway“. Mit diversen Spielereien (Synthesizer) aufgepeppt ist „I need You“, ein gradliniger, mitreißender Rocker im Stil von „Feel Like The First Time“ und „Cold As Ice“. In den USA stieß dieses Debütalbum auf ein dankbares Publikum und verkaufte sich dermaßen gut, daß es mit Gold ausgezeichnet wurde. Dank des Erfolges der drei ausgekoppelten Singles dürfte „Foreigner“ eines der erfolgreichsten Debütalben der 70er Jahre sein. Während Foreigner dank dieser Erfolge in den USA zu einer Supergruppe aufstiegen, wurden sie in Europa ignoriert bzw. mit Skepsis beäugt. Wesentlichen Anteil daran hatten die Musikjournalisten der einschlägigen Musikzeitschriften, die Foreigner und ihre Musik in der Luft zerrissen und mit Schmähungen übersäten. So ignorierte das europäische eines der interessantesten Debütalben der 70er. Es sollte bis 1981 dauern, bevor sich Foreigner auch in Europa durchsetzen konnte. |