****** Mit ihrem im Herbst 1975 erschienenen Album „Face The Music“ entfernte sich das Electric Light Orchestra noch weiter weg vom ursprünglichen Konzept des Classicrocks, auch wenn die musikalische Vergangenheit der Anfangszeit immer wieder durchschimmert. Das Cover mit dem elektrischen Stuhl suggeriert im ersten Moment elektronische Musik bzw. Heavy-Metal. Aber keine Angst, das Electric Light Orchestra hatte keinen radikalen Kurswechsel betrieben. Das Album beginnt mit dem unglaublich bombastischen Original „Fire On High“. Das Stück beginnt zwar experimentell mit rückwärts gespielter Musik und Stimme, die eine geheimnisvolle, düstere Atmosphäre suggerieren. Doch bevor einige Oberschlaue auf die Idee kommen, hier handelt es sich um eine verschlüsselte oder gar satanische Botschaft, der wird enttäuscht sein, wenn er das Intro rückwärts spielt. Einfach mal ausprobieren! Knapp ein Jahr später kam „Fire On High“ als B-Seite zu „Livin‘ Thing“ zu Singleehren. „Waterfall“ ist eine herrlich angeschnulzte mid-tempo Ballade, die ein großes Hitpotential in sich birgt. Den großen Hit des Albums landeten ELO mit „Evil Woman“, ein packender Poprocker, der Anfang 1976 in England und den USA ein Top 10 Hit war. Das Stück ist so clever aufgemacht und so packend gespielt, daß es einem, einmal gehört, so schnell nicht wieder aus dem Sinn geht. Nicht ganz so packend aber mit nicht weniger Ohrwurmqualitäten ist „Nightrider“ konzipiert. Mit „Poker“ schütteln die ELO’s ein rockiges As aus dem Ärmel, das in den Gitarrenpassagen ein wenig an Led Zeppelins „Kashmir“ erinnert. „Poker“ ist ein Fullhouse! Das angenehme „Strange Magic“ bescherte der Band im Frühjahr 1976 einen weiteren soliden Singlehit. In „Down Home Town“ bieten ELO eine kleine musikalische Überraschung, denn das Stück klingt wie ein mit Symphonielementen angereicherter Countryrocker. „One Summer Dream“ ist eines jener ELO Stücke, die im ersten Moment vielleicht etwas langweilig klingen, aber nach mehrmaligen Anhören ihre Klasse offenbaren. Mit „Face The Music“ ist dem Electric Light Orchester ein ganz großer Wurf gelungen. Das in den Münchner Musicland-Studios aufgenommen Album ist eine runde und sehr abwechslungsreiche Sache. Jedem, der die Gruppe einmal kennenlernen möchte, kann man „Face The Music“ wärmstens empfehlen. |