****** Zum Zeitpunkt seines vierten Albums „Turnstiles“ war Billy Joel ein Superstar in der Warteschleife. Er konnte auf erste kleinere Hits zurückblicken ( „Piano Man“, „Travelin‘ Prayer“ und „The Entertainer“), seine Alben „Piano Man“ und „Streetlife Serenade“ hatte sich recht gut verkauft, seine Konzerte in den USA waren ausverkauft und 1974 wählte ihn das amerikanische Fachblatt „Cashbox“ zum besten Sänger des Jahres. Trotzdem wollte ihm der ganz große Durchbruch nicht gelingen. Daran änderte sich auch mit dem 1976 erschienenen Album „Turnstiles“ nichts. Wie schon zuvor auf den Alben „Piano Man“ (1973) und „Streetlife Serenade“ (1974) bietet er auch auf den acht Liedern seines vierten Albums eine breite musikalische Vielfalt. Was bei den grandiosen Vorgängeralben an musikalischen Stilen nebeneinander herlief, wirkt hier erstmals ineinander verschmolzen. Nicht nur musikalisch hat er einiges zu bieten, auch textlich weiß er zu überzeugen. Er singt von falschen Freunden, vom ewig bösen jungen Mann, der das Denken anscheinend nie gelernt hat, vom Mißverhältnis von Mensch und Umwelt und vom Leben auf und neben den Straßen der Großstadt aus einer manchmal etwas ausgefallenen Perspektive. Drei Lieder ragen besonders heraus. Das wäre zum einen das ungemein mitreißende „Say Goodbye To Hollywood“, das so klingt, als wäre es eine zeitgemäße Produktion eines Phil Spectors. Diese Stück 1981 in einer Liveversion auf „Songs In the Attic“ und war ein mittelprächtiger Hit. Eine echte Perle in seinem Gesamtwerk ist „Miami 2017 (Seen The Lights Go Out On Broadway)“. In diesem Lied genießt er im warmen Florida das Leben und erinnert sich an die harten Zeiten in New York, wo nach und nach die Lichter auf dem verfallenen Broadway ausgehen („They burned the churches up in Harlem like in the Spanish civil war. The flames were everywhere but no one really cared....“). Sehr schön ist auch die jazzig angehauchte Ballade „New York State Of Mind“. Dieses Stück wurde wenig später von Barbra Streisand gecovert. Auch die übrigen Stücke „Summer, Highland Falls“, „All You Wanna Dance“, „James“ (als Singleauskopplung ein Flop), „Angry Young Man“ und „I’ve Loved These Days“ überzeugen auf der ganzen Linie und bilden den geschmackvollen Rahmen für ein alles in allen überragendes Album. |